ZdZ #3 Nachtrag

Danke Hoschis fürs Kaufen der dritten Ausgabe, sorry nochmal für den Druckfehler.
Hier die Doppelseite, die noch nachgereicht werden sollte:

ZdZ #3 Nachtrag

ZdZ #3

Am Sonntag an bekannte Gesichter: Zwischen den Zeilen #3.
Viel Hopping, FCSP-Rückrundenrückblick, Interview South End Scum und weiterer Shizzl. Für 1,50 Ois!
Vor dem Spiel am Fanladen!

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Die Mühle dreht sich weiter

Jüngst wurde der FC Sankt Pauli vom DFB zu einer Strafe von 15.000 Euro verurteilt: für „Raufereien“ beim Schweinskecup und dem Hochhalten eines Transparents mit beleidigendem Inhalt beim Heimspiel gegen Braunschweig. Dabei handelt es sich um ein Choreoelement. Zur Erklärung: Auf der Hintergrundtapete der Choreo war ein zwei Meter großer Charakter zu sehen (die Maße des kompletten Hintergrunds waren übrigens 58 m x 3m), der einen Schal mit der Aufschrift „Bullenschweine“ trug.

Die Reaktion des Vereins? Er stimmt dem Urteil zu. Eine Bankrotterklärung, die heuchlerischer, enttäuschender und gefährlicher nicht sein kann! Entpuppt er damit ein Gesicht, das seit dem Ende der Ära Littman nur Maskerade war? Die postlittmannsche Ära als Zeit der Wechselhaftigkeit?

Im Januar noch wurde in einer Erklärung des FCSP Stellung zu den Ereignissen beim Hallenturnier in Alsterdorf bezogen.
Darin hieß es unter anderem:

Es kam zu Schmährufen wie „Schwule, Schwule“, „Judenkinder“, „Zick Zack Zigeunerpack“ und Ähnliches. […] Auch hier müssen wir der o.g. Polizeimeldung widersprechen: Von Fans des FC St. Pauli wurde zu diesem Zeitpunkt keine Konfrontation mit den Lübecker Fans gesucht.

Und:

Es wird deutlich, dass sich der Gesamtablauf deutlich komplexer darstellt, als er kurz nach den Ereignissen in der Öffentlichkeit zusammengefasst wurde. […] Wir fordern die Öffentlichkeit jedoch auf, die Geschehnisse mit gebotener Sachlichkeit und Differenziertheit zu betrachten und von vorschnellen, verallgemeinernden Schlüssen Abstand zu nehmen.

So wie:

Auch der FC St. Pauli hat eine (glücklicherweise relativ kleine) Zahl an Fans, die körperliche Auseinandersetzungen sucht. Mit dieser Tatsache gehen wir offen um und versuchen, in Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt und den Fangremien dieses Problem so weit wie möglich in den Griff zu bekommen.

Diese Feststellungen, ganz unabhängig von ihrer Wertung, werfen doch einige Fragen auf.

# Wieso nimmt der FC Sankt Pauli eine Strafe an, bei dem ein politischer Kontext der Vorfälle geleugnet wird und als „Rauferei“ umgedeutet dargestellt wird?
# Wieso erstarrt der FC Sankt Pauli angesichts einer drakonischen Strafpraxis, die selbst vom Strafenden erkannt wurde?
# Wieso weicht er von seinem Statement der Komplexität der Ereignisse ab?
# Wieso wehrt er sich nicht und adressiert stattdessen die Falschen mit der Moralkeule?
# Und nicht zuletzt: Wo sind die Gespräche mit Fanprojekt und Fangremien?

Die Widersprüchlichkeit könnte nicht größer sein.
Eine Strafe bzgl. der sich dynamisierenden Ereignisse in der Halle zu akzeptieren, setzt ein Einverständnis voraus. Die DFB-Begründung „Rangelei“ müsste somit anerkannt werden. Diese Anerkennung war aber so nicht der Fall und durch den Aufruf zur Sachlichkeit und Differenziertheit schon a priori ad acta gelegt worden. Es ging vor drei Monaten eben nicht um Rangeleien, es ging um Ereignisse mit politischem Hintergrund. Es geht auch nicht um Fußball, wie in Internetforen dargelegt wurde. Der Ursprung des Hasses auf Sankt Pauli liegt in 90% der Fälle nicht in Rivalitäten oder Ultrageplänkel, es handelt sich fast immer um Leute, die das Weltbild der Fans des FCSP nicht abkönnen, so wenig sie nun auch immer darüber wissen mögen…

FCSP, und was tust du?

Wenn also dieses Nichteinverständnis von vornherein gegeben war, wie kann man dann als Verein die Strafe hinnehmen? Klar könnte man jetzt denken, es ginge um Rationalität, die Abwägung finanzieller Mittel etc. Doch in einem langwierigen Prozess, in dem der Strafende höchstpersönlich schon Modifizierungen an seinem jenseits der legalen rechtlichen Grenzen operierenden Strafsystem vornimmt, sollte man nicht noch durch Bestätigung eben jenes System aufrecht erhalten. Natürlich ist ein Gang durch die Gerichte schwer, doch die Anstrengung lohnt sich. Genau wie bei der Aussperrung von Gästefans, die jüngst von der Polizei erwirkt wurde. Selbst wenn dies nun nicht gemacht wird, sollte man keine falschen Umkehrschlüsse ziehen. Doch genau das ist jetzt eingetreten.

Der FC Sankt Pauli hätte, wenn er die Strafe schon annimmt, zumindest Gesicht wahren können. Schweigen ist gold und so weiter…
Doch was jetzt kam, gleicht einer absoluten Frechheit.
Von „Umdenken“ ist nun die Rede und dieses Umdenken ist nicht an den DFB gerichtet, nicht an die Polizei, die unserem Verein und der gesamten Fußballlandschaft in letzter Zeit wohl mehr Schaden zugefügt haben, als alle Bösewichte, Chaoten und Randalierer im letzten Jahrzehnt zusammen.
Stattdessen richtet der Verein sein Umdenken an die Fans.

Präsident Stefan Orth dazu:

Wir sind es langsam leid. Eine Strafe hier, eine Strafe dort. Das läppert sich zusammen und wird von uns nicht mehr tatenlos hingenommen. Ich erwarte, dass hier ein Umdenken in einigen Bereichen des Stadions und im Umfeld einsetzt. Wenn das nicht ab sofort der Fall ist, werden wir zum Handeln gezwungen. Diese Strafen tun dem Verein verdammt weh und gehen am Ende immer zu Lasten von uns allen. Es ist ein Punkt erreicht, an dem sich alle, die den FC St. Pauli ins Herz geschlossen haben, fragen müssen, ob wir wirklich so weitermachen wollen. Wir alle zusammen haben Leitlinien für den Verein aufgestellt, die nicht nur einseitig gelebt werden und von einigen nach ihrem Ermessen außer Kraft gesetzt werden dürfen.

Genau darum geht es doch. Ihr seid es langsam Leid… Und ihr wart es auch schon Leid, als nach dem Schweinskecup die Schuld bei euch und den Fans gesucht wurde, die ihr dann verteidigt habt. Notwehr oder ehrliche Bekenntnis? Rückgrat, in heutigen Zeiten anscheinend keine Charaktereigenschaft, die man voraussetzen kann.
Im Lichte der heutigen Aussagen sieht euer „Bekenntnis“ vom Januar jedenfalls aus wie ein Dolchstoß. War die „Annäherung“, die auch intern erfolgte, also nur Maskerade? War sie nur Hinhaltetaktik, um neue Schlupflöcher zu finden, die seit Littmann nicht mehr erwartet werden?

Die Gespräche zwischen Fans und Verein blieben jedenfalls aus. Symptomatisch dafür steht auch die Erklärung des Vereins zum Boykott des Rostockspiels von USP. Da wird sichtlich von USP versucht, dem Verein in keiner Form zu Schaden:

„Konsequent wäre es, das Spiel nicht beginnen zu lassen. Hiermit würde allerdings in erster Linie der FC St. Pauli geschädigt, der auf unserer Seite steht, sich toll verhalten hat und schadlos gehalten werden sollte. Der Adressat ist nicht der Verein und dieses Mal noch nicht einmal der Verband. Soll ein Protest nicht affektiert wirken, dann muss er sich an die Schuldigen richten“

Und dennoch muss die Moralkeule wieder ausgepackt werden:

Wir rufen dazu auf, dass die Protestaktion von den Prinzipien der Toleranz geprägt ist, und wir setzen absolute Gewaltfreiheit voraus. Unser Verständnis friedlichen Protest schließt ebenfalls mit ein, dass alle, die das Spiel im Stadion sehen wollen, natürlich auch störungsfrei Zugang erhalten.

Heisst ungefähr so: „Ihr könnt ruhig draußen bleiben, solange ihr nicht nervt.“ Dass kein Mensch der aktiven Fanszene angerufen, zum Gespräch geladen oder sonstiges wurde, wird nicht erwähnt. Im Januar aber noch groß den offenen Umgang mit Fans, Fangremien und Fanprojekt propagieren. Wieso ist einem dann nicht aufgefallen, dass der Boykott von den meisten aktiven Fangruppen mitgetragen wurde?
Schweigen ist gold, und so weiter…

Dass dies nicht das erste Statement ist, bei dem Ursache und Wirkung umgedeutet werden, zeigt auch die völlig aus dem Zusammenhang gerissene Stellungnahme des Vereins zum Kassenrollenwurf-Urteil Auch hier wurde das leidige Thema Pyrotechnik mit in den Topf geworfen. Zudem sind die verwendeten Zahlen (500.000 Euro Strafe?) zu hinterfragen.

FCSP, und was tust du?

Insgesamt reihen sich die jüngsten Ereignisse in eine lange Tradition ein. Das Verhältnis der Sankt Pauli Fans und der Vereinsführung war unter Littmann immens belastet, nahezu tot. Nachdem die Ära Littmann beendet war, folgte eine Periode der Annäherung, die im Januar und im Vorfeld des Rostockspiels blühende Ereignisse mit sich brachte, aber stets der Frage anhaftete, wie ernst es denn um die Lippenbekenntnisse stünde und in welchem Ausmaß sie als strategische Maßnahme betrachtet werden dürften.
Dass nun Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Verantwortlichen aufkommt, dürfte ein hausgemachtes Problem sein. Respekt, Zusammenarbeit etc., sie sind leicht zu äußernde Werte im öffentlichen Raum. Aber wie es hinter verschlossenen Türen aussieht, wie die Alltagspraxis tatsächlich gelebt wird, da sieht es schon wieder ganz anders aus.

Grundsätzlich merkt man, dass anscheinend zwei vollkommen unterschiedliche Welten und Verständnisse aufeinanderprallen. Die gemeinsamen Werte verkommen allerdings angesichts ihrer vollkommen unterschiedlichen Interpretationen zu leeren Signifikanten.

Quo vadis, FC Sankt Pauli?

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Dazu eben gefunden: Ein Artikel auf dem Lichterkarussel, der ähnliche Punkte kritisiert

Soliparty MTZ Ripo am 1.Mai

party1mai

Unbroken

Diese Woche veröffentlichte Ultrà Sankt Pauli eine Stellungnahme zum Spiel gegen Hansa Rostock am kommenden Wochenende.
Darin wird angekündigt, beim Spiel, für das es eine Unterlassungsklage der Polizei und damit ein Gästeverbot gibt, vor den Stadiontoren zu bleiben.
Die MoPo titelt dazu gar in ihrem Onlineangebot auf der Titelseite
und das Abendblatt äußerte sich heute auch dazu.

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