Unbroken

Diese Woche veröffentlichte Ultrà Sankt Pauli eine Stellungnahme zum Spiel gegen Hansa Rostock am kommenden Wochenende.
Darin wird angekündigt, beim Spiel, für das es eine Unterlassungsklage der Polizei und damit ein Gästeverbot gibt, vor den Stadiontoren zu bleiben.
Die MoPo titelt dazu gar in ihrem Onlineangebot auf der Titelseite
und das Abendblatt äußerte sich heute auch dazu.

# Da stellt sich für mich nur die Frage, wie verblendet die Einsatzleitung der Polizei wirklich ist oder um welche Interessen es da sonst noch geht. Betrachtet man die jetzt erst im Nachhinein entstandene Sicherheitslage, so wird klar, dass einerseits die Gefahrenlage deutlich höher geworden ist, andererseits aber, dass, wie schon bei den Aussperrungen des DFB, die Fans dieses Spiel nicht mitspielen. Ein klassisches Eigentor der Bullen. Sollte es am Sonntag nicht friedlich bleiben, frage ich mich, welche verqueeren Umkehrschlüsse dann wieder gezogen werden. Wahrscheinlich heisst es dann, es war gut die Chaoten fern zu halten. Eine Signalwirkung sollte aber sowohl die Rostocker Demo, als auch das Fernbleiben USPs haben. Fußballfans, es steht eine Zeitenwende bevor!
Lobenswert übrigens das Vorgehen seitens der Ultras. Beim Boykott vor zwei Jahren und der Absperrung der Südkurve hagelte es Kritik. Diesmal stellt USP es jedem frei, sich an der Aktion zu beteiligen. Ein Zeichen, dass man reflektiert hat und die Entscheidung mit Abwägen der Positionen der restlichen Fans gefällt hat. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Stadionbesucher perspektivisch denken und dem Spiel keine Übergewichtung geben. Klar ist es sportlich wichtig, dennoch kann man sich das auch schenken, wenn man weiss, in zwei, drei Jahren vielleicht gar nicht mehr ins Stadion zu dürfen. ZdZ jedenfalls unterstützt den Boykott und wird fleißig die Lauscherchen aufhalten. Turn on, the radio!

Außerdem interessant:

# Ein weiteres unrühmliches Kapitel zum Thema Verfolgung lobbyloser Fußballfans schreibt die Polizei in Braunschweig.
Dort wird im Zusammenhang mit einer Pyroaktion beim Hinrundenspiel zwischen dem BTSV und Fortuna Düsseldorf mit Fahndungsfotos öffentlich nach möglichen „Tätern“ gesucht. Eine Schande in mehrerlei Hinsicht:
- bei der Pyroaktion wurde niemand verletzt
- es sind keine Verfahren eingeleitet worden, der DFB hat Düsseldorf bereits bestraft
- es werden Fans auf Verdacht kriminalisiert und durch die Veröffentlichung wird zur Denunziation möglicherweise Unschuldiger aufgerufen
- die klaffende Diskrepanz zwischen Realität (de facto wird jeden Spieltag Pyrotechnik eingesetzt) und Beharren auf gesetzlichen Vorschriften (es gibt keine Legalisierung)
- die Unverhältnismäßigkeit, Fahndungsmethoden einzusetzen, die sonst bei Gewaltverbrechern oder Terroristen eingesetzt werden

Kritik gibt es aus der Düsseldorfer Fanszene und vom Verein.
Auch Publikative hat sich mit dem Thema beschäftigt.

# Ein Video von den Fans von Karpaty Lviv (die übrigens mit großer Vorsicht zu genießen sind), ziemlich professionell gemacht.

# Zum Schluss noch ein Video vom Derby Slaska, Ruch Chorzow-Gornik Zabrze. Da ging es letztes Wochenende ziemlich ab. Vor drei Jahren war noch ne Handvoll Sankt Paulianer bei dem gleichen Spiel (im Nationalstadion), auch dort gab es schon Konflikte.
Am letzten Wochenende kam es erneut zu der Partie (Endergebnis 0:0):
Und zur größten Awantura im polnischen Fußball seit langem, innerhalb von drei Tagen schon über 100.000 Mal angeklickt. Ruch mal wieder…