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Banane in Ljubljana

Eindrücke einer kleinen Balkantour

Visuelle Eindrücke der kleinen Sommertour durch den Balkan könnt ihr ab sofort hier bekommen.
Elf Tage ging es in diverse Städte in Serbien, Bosnien und Kroatien. Natürlich wurden auch ein paar Spiele besucht. Die ursprünglich geplante Tour musste leider kurzfristig modifiziert werden, da der bosnische Verband ein wahres Spielverlegungschaos produzierte – einen Tag vor Saisonstart. Wie die Besuche im Detail verliefen, könnt ihr in der ersten Gazzetta der neuen Saison und im wohl bald erscheinenden ZdZ nachlesen.

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Harte Fäuste, weichste Intentionen

Mit Erstaunen und größter Freude habe ich die Nachricht aufgenommen, dass am letzten Wochenende politisch motivierte Nazis der NPD, die im Rostocker Ostseestadion Werbung für ihre Sache machen wollten und deren Besuch auf der Südtribüne nur sehr kurz verlief, von einem Teil der heimischen Anhänger vertrieben und angegangen wurden. Dass die Initialzündung dabei von den Suptras Rostock kam, fand ich in erster Linie konsequent und von Größe.
Als ich am Folgetag allerdings deren Erklärung zu den Vorfällen las (www.suptras.de), bestätigte sich mein Bild einmal mehr und die vielen Widersprüche, die diese Gruppe mit sich führt, kamen wieder mal offen zu Trage.
In der Erklärung kommt der Standpunkt auf, dass jede Politik, „erst recht von extremistischer Art“, in ihrem Stadion nichts zu suchen habe. Dieser Forderung schließt sich die Androhung von Konsequenzen für Zuwiderhandelnde an. Zwar dürfe jeder Stadionbesucher „denken und meinen, was er will“, aber jeglicher Versuch der Instrumentalisierung des Vereins und seiner Fanszene, sei zum Scheitern verurteilt. In der Einleitung kommt zudem die Behauptung auf, in vielen anderen Fanszenen des Landes werde mit Politik falsch umgegangen. Nicht zuletzt sei der Angriff aber auch auf eine „kürzlich begangene Dummheit“ der Faschos zurückzuführen.

Sehr leicht ist es, nach einem solchen Statement die Schwächen und Widersprüche aufzudecken und eher der Rostocker Fanszene bzw. den Suptras selbst einen falschen Umgang mit dem Thema Politik vorzuwerfen.

Zunächst basiert die ganze Erklärung auf einem völlig falschen Verständnis von Konsequenz und kratzt das Problem nur sehr oberflächlich an. Derjenige, der seine politische Meinung offen zeigt, hat Probleme zu befürchten, jeder andere, der schweigt, kann tun und lassen was er will. Eine schlechte Grundlage, die mit Sicherheit die Wurzel des Problems nicht angreift oder gar berücksichtigt. Parteipolitik nein, mundtote Faschos ja? Begrüßenswert wäre es gewesen, der konsequenten Nonverbalität dieses Vorfalls ein klares Statement folgen zu lassen. Und zwar eines gegen Rechts.
Damit einher geht das zweite Problem, das eigentlich einer tiefgehenden Erklärung bedarf, ich versuche es kurz und verständlich darzustellen. In dieser ganzen Art wird von einem völlig falschen Begriff des Unpolitischen ausgegangen. Unpolitisch ist eben nicht die Bekämpfung beider Extreme an der Oberfläche. Wollten die Suptras unpolitisch sein, müssten sie konsequent all diejenigen bannen und bekämpfen, die bereits in ihren Handlungen politisch agieren. Betrachtet man alleine die Spruchbänder oder achtet mal auf die Gesänge, sind gerade viele Aussagen geprägt von einem politisch diskriminierenden Unterton. „Rasiert euch die Beine, ihr Metro-Punk-Schweine“ oder der bekannte „feminine Muschipups“ sind halt einfach leider nicht unpolitisch, genauso wenig „die schwulen Hamburger“. Glaubwürdig wäre es z.B. gewesen, wenn die Suptras mal gegen diejenigen vorgingen, die ihre Fußballrivalen mit Hitlergrüßen empfangen. Aber soweit denkt man wohl in Rostock noch nicht…
Das größte Problem offenbart sich allerdings mit dem Satz, dass mit politischen Extremen „links- und rechtsaußen gemeint“ seien. Damit stellen sie linke Politik auf die Stufe rechter. So einfach ist es aber nicht. Rechte Politik beruht auf einem Menschenbild der Ungleichheit, linke auf einem Bild der Gleichheit. Und dies ist auch in politischen Programmen jedweder Art spürbar. Die politische Rechte unterscheidet zwischen Menschen aufgrund ihrer Natur. Rassismus, Homophobie oder Sexismus sind Erscheinungen politisch rechter Prägung, die Menschen nach Merkmalen ihrer Geburt klassifizieren und dazu noch bewerten. In politisch rechten Programmen wird zudem immer eine Struktur erscheinen, die Ungleichheit fördert. Eine kontrollierende und überwachende Institution, eine Herrschafts- und Ideologieelite und ein System der Ausbeutung mit persönlicher Unfreiheit sowohl des Geistes, als auch der Handlungen und Rechte.
Dagegen besitzen linke Denkweisen von Grund auf Elemente, die dem entgegenstehen. Sie betonen Gleichheit, Freiheit und haben anti-hierarchische Ausrichtung, in der Macht, Unterdrückung und Herrschaft keine Rolle spielen.
Es geht in dieser ganzen Politikfrage, die insbesondere die Subkultur Ultrà beschäftigt, nicht um Gutmenschentum, Kleinkariertheit, Bevormundung oder Theoriegeschwafel. Aber ultrà und insbesondere Gruppen, die sich als unpolitisch und rechts sehen, werden nie zu größeren Zielen gelangen, wenn sie sich nicht als das sehen, was sie sein sollten und woraus sie entstanden sind. Eine Protestbewegung gegen das System, seine Herrschaftseliten und das Bürgertum.
Und dieser Protest kann per se nicht von Rechts kommen!

Daher ist die Erklärung der Suptras zu den Vorfällen in doppelter Weise zu kritisieren. Sie setzt zwei unterschiedliche Dinge auf eine Stufe und behandelt zudem das Problem nur oberflächlich.

An diese argumentative Kritik möchte ich noch eine rein spekulative anschließen. Ein Angriff auf einen ihrer Mitstreiter bleibe nicht ohne Folgen, so steht es in der Erklärung. Also alles eigentlich eher eine Privatsache und der Versuch, sein Image ein wenig aufpolieren zu wollen und dem Unpolitischen weitere Nahrung zu geben?

Bevor man linken Gruppen Naivität oder einen falschen Umgang mit Politik vorwirft, sollte man sich erst mal gründlich selbst reflektieren. Zumindest sehe ich in übertriebener Auffassung von Gewalt bzw. deren zielloser Anwendung und in den Strukturen dieser Gruppe, in denen sich junge Leute durch Aktionen, die fernab von Kreativität und einem souveränen Selbstanspruch liegen, beweisen müssen, keine ernsthafte Basis für größere Ziele.

Ein Beispiel, wie man auch in so einer Szene einen konsequenten Weg gehen kann, zeigt sich bei der neuen Rostocker Gruppe, den Unique Rebels (http://uniquerebels.blogsport.de), die aus ehemaligen Suptrasmitgliedern hervorgegangen sind. Leider versuchen auch hier die Suptras die Leute dieser Gruppe zu diffamieren. Dies war eindeutig bei der Veröffentlichung des „Hinter dem Zaun “- Fanzines, welches zwar kein Erzeugnis der Unique Rebels ist, aber im erweiterten Spektrum dieser Personengruppe zugeordnet werden kann, spürbar, als die Suptras in ihrem Heft „GreifZu“ vom Kauf abrieten und den Hinweis anfügten, es handele sich hierbei um kein Heft der aktiven Rostocker Szene.

Wieder mal geschämt

„Ihr griecht nix von uns“. Als hätte die mediale Schürung von Hass aufgrund nationaler Zugehörigkeit am Beispiel Griechenlands und seiner Finanzkrise, als in Politik und der Presse teils entwürdigende, hauptsächlich aber bereits in ihrem Inhalt falsche Darstellungen dem alles fressenden Volk vorgesetzt wurden, noch nicht ausgereicht. Seit dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft greift erneut das Gespenst des Nationalismus, Patriotismus oder wie man es auch immer nennen mag, mit all seinen negativen Begleiterscheinungen um sich. Wurde sich vor wenigen Monaten noch auf „die Griechen“ eingeschossen, die ja weit über ihrem Lebensstandard lebten und die ja eh nur aus den Händen des armen deutschen Steuerzahlers fressen, so sind jetzt halt, „die Afrikaner“, „die Argentinier“ oder sonstwer dran. Mal ganz davon abgesehen, dass Griechenland, das was Deutschland ihm leiht (!, nicht schenkt) mit 5% Zinsen zurückzahlen muss und dass vor allem andere, im weltweiten Kapitalismus zu suchende, Gründe, nicht der faule Grieche an sich oder seine so rücksichtslosen Rentenforderungen, Schuld an dem Finanzdebakel dieses Staates sind, transportierten „die Medien“ (eine Verallgemeinerung wäre zwar unfair, trifft aber genau den Punkt) den Hass auf andere gleich weiter. Zur WM. Rosige Aussichten für Deutschland, nicht nur im WM-Halbfinale. Besonders dann, wenn man Parallelen zu früheren Zeiten suchen will bzw. diese einem unweigerlich auffallen. Nungut, um einen Nazivergleich werde ich mich nicht bemühen, aber es fällt schon schwer in diesen Tagen durch die Straßen zu gehen, ohne zumindest einen mittleren Wutanfall zu bekommen. Denn was einem da so bei einer Weltmeisterschaft begegnen kann, sprengt den Rahmen des Erträglichen.
Fast aussichtslos erscheint der banale Fingerzeig, den ich als Fußballfan, der zu jedem Spiel seines Vereins fährt und sein ganzes Leben rund um diesen Sport und seine Fan-Subkultur aufbaut, jedem zweiten Bürger dieses Landes zuwerfen muss. Ob es sich um den Sport an sich dreht, wenn Fanmeilen vor Suffvolk überlaufen, kreischende Mitmenschen durch die Straßen rennen und einer Mannschaft zujubeln, von der sie nicht mal wissen, in welchem Verein deren Spieler abseits dieses Turniers spielen? Ob es sich um den Sport und die Fußballliebe dreht, wenn eine aus der Eventisierung und Kommerzialisierung eines Sports heraus geschaffene Partykultur anfängt, sich freuen zu dürfen? Ist diese Freude eine aus ihrem Selbstverständnis heraus begründete Freude, an der etwas hängt, was man selbst miterlebt hat, in das man Arbeit und Leidenschaft gesteckt hat? Oder ist es eher eine spontane Freude der Berieselung im Zuge einer „Loveparade für die Massen“? Ich behaupte, dass ein Gros derjenigen, die jetzt draußen auf den Straßen „ihre“ Nationalmannschaft feiern, unechte, vor- und aufgesetzte Freude praktizieren. Wirf dem Deppen was hin, er nimmt es. Freude haben, weil die Menschen etwas suchen, etwas wie Zusammenhalt, das sich auch in Phrasen wie „endlich gibt es wieder ein Gefühl der Gemeinschaft“ widerspiegelt. Auch wenn ich an dieser Stelle vielleicht zu voreingenommen über die Gefühlslage anderer spreche und in ihr eine Aufgesetztheit als Spiegelbild einer Gesellschaft sehe, das Fehlen eines Bezugs zum Sport kann ich den meisten dort draußen in jedem Fall unterstellen. Doch daran scheiterten wir (ich spreche hier explizit auch für meine Subkultur ultrà) bereits vor zwei, vier, sechs, acht Jahren. Sehen zu müssen, wie ein Sport entfremdet und eventisiert wird, nichts neues im Staate Deutschland, vielmehr Konfrontationspunkte im Alltag der Ultrakultur.
Was aber immer neuer wird, ist der aufkommende Deutschlandpatriotismus. Und er ist etwas, das mich zum Kotzen bringt und mir zugleich wieder soo eindringlich vor Augen hält, wie es um diese Gesellschaft bestellt ist. Ich behaupte, die deutsche Gesellschaft hat nach 1945 alte Denkmuster nicht zur Gänze abgelegt. Ein Teil schwimmt immer noch mit. Doch wer vor 10-15 Jahren aus reinem Fußballinteresse der deutschen Nationalmannschaft die Daumen drückte, war zum Schulverlierer, deutschen Deppen und Irrgläubigen verdammt. Wer es jetzt nicht tut, muss um sein Leben fürchten? Jedenfalls sorge ich mich um meine Gesundheit, wenn ich durch Sankt Pauli laufe, an jedem Eck dieses schönen Viertels gesichtsbemalte Junggesellen mit entsprechendem Alkoholpegel stehen und ich lauthals sage „Was habt ihr eigentlich hier verloren? Verpisst euch, das ist Sankt Pauli, scheiss Juppies“. Das Outcoming des Antideutschtums ist schwer. Wer sich nicht mitfreut, gilt als gesellschaftlicher Außenseiter. Gerne bin ich ein solcher!
Was aber nun das wirklich Schlimme an diesem Patriotismus ist, ist seine propagandistische Entfaltung, die voller Gefahren steckt. Wenn ich aus Schweinsteigers (oder sollte ich besser pc sagen: Schweini) Mund höre, dass er „ja nix gegen Argentinien an sich“ habe (sorry, der genaue Wortlaut ist mir entfallen), „aber die“ so und so wären oder zum hundertsten mal Pauschalisierungen und Zuschreibungen der Art „die Brasilianer sind weichlich, aber technisch gut, der deutsche Kampfgeist zahlt sich wieder mal aus“ höre, dann wird mir wieder klar, wie leicht man Eigenschaften, persönliche Fähigkeiten und Attribute Menschen aufgrund ihrer Herkunft zuschreiben kann. Zumal dies ja stets ungeachtet ihrer Persönlichkeit geschieht, die sich ja nur zum Teil aus ihrer Herkunft definiert. Eine Theorie des Fremden sagt, dass diese Zuschreibungen dann meist negativ bewertet werden. „Das eigene ich, meine Identität, die meiner Nation. Und alles, was anders ist, ist zwar vielleicht gar nicht mal so schlecht, aber ich kenne es nicht und eigentlich ist es ja bestimmt nicht so gut wie meins“.
Gefahren, wie die Schürung von Hass und Aufkommen von Gewalt aufgrund von Fremdenhass, und der fortwährenden Kategorisierung von Menschen, werden entweder verharmlost (wenn man z.B. sagt „freu dich doch auch mal mit uns“) oder komplett verklärt (was jüngst das Beispiel des Mannes zeigt, der in Hannover zwei Menschen erschießt. In der Presse wird das Motiv Fremdenfeindlichkeit überhaupt nicht aufgegriffen, wenngleich ich nicht ausschließen will, dass der Streit anders geendet hätte, wären die beiden erschossenen Deutsche gewesen). Und da sollen mir persönlich keine Gedanken an frühere Dunkelzeiten kommen? Oder zumindest der Gedanke an nen guten Suff zum Wegschauen?
Das Bewusstsein, wie Medien von den Herrschenden eingesetzt werden, zu welchem Zweck, mit welcher Intention, wird kaum mehr als solches wahrgenommen, nicht hinterfragt. Und wenn ich eine Masse an Leuten dazu bewegen kann, im kollektiven Rausch Feindbilder zu kreieren, dann habe ich es mit einem Machtinstrument zu tun, das höchst gefährlich ist.
Wenn eine Fußball-Weltmeisterschaft dazu instrumentalisiert wird, durch die Schaffung eines künstlichen Gefühls der Zusammengehörigkeit einerseits von real existierenden Problemen abzulenken, andererseits (durch Kommerzialisierung) noch davon zu profitieren, läuft etwas gewaltig schief.
Früher habe ich mich gefreut, wenn die WM lief. Heute schaue ich mir natürlich auch einige Spiele an. Aber der negative Beigeschmack ist mittlerweile so stark geworden, dass ich mich nur noch auf ihr Ende freue.
Wer im Sommer übrigens vor hat, die Südkurve des Millerntors mit Deutschlandhut oder Fahne zu betreten, dem sei versichert, dass er dies danach nicht mehr tun wird. Zumindest hoffe ich das, denn sonst wäre das Bild, das ich von dieser kleinen Insel an gesichert denkenden Menschen in dieser Stadt noch habe, verloren.